Sperrungen

Ich halte die linke und die rechte Wange hin und bin irgendwie im Flow. Irgendwie witzig und irgendwie kindisch.

Wo man nur hin sieht Sperr-Regelungen. Die Tür-Sperre, die besagt, ich darf die Tür nur sachte zu ziehen ab 20:00 Uhr. Ebenso wie die Musik-Sperre die zu einer Geräusch-Sperre ausgeartet ist. Genrell darf ich, andere sind von der Regelung scheinbar ausgenommen, ab 20:00 Uhr überhaupt nichts mehr tun. Außer atmen. Atmen darf ich. Was ich auch nicht darf ist, länger als exakt 20 Minuten das Miniatur-Badezimmer zu benutzen. Ich vermute das meine Mitbewohnerin, die mit dieser Badezimmer-Sperre auch alle anderen ins Leben gerufen hat, dann immer vor der Tür sitzt mit einer Stoppuhr in der Hand. Ich denke nicht, dass sie eine App benutzt. Sie ist 36 Jahre alt. Das erklärt eventuell die Sex-Sperre. Sie hat es mir verboten. Es sei denn, ich beachte eine Sammelsurium von Vorschriften. Nicht morgens, nicht mittags, nicht abends, nicht nachts. Nicht wenn sie da ist und morgens, mittags oder abends schlafen und entspannen will. Auch das Bett darf nicht mehr genutzt werden. Macht Geräusche. Ebenso, wie mein Kerl nicht mehr benutzt werden darf, der macht auch Geräusche.

Seltsamerweise gibt es aber keine Sperre zwischen privat und beruflich. Vor allem nicht, wenn sie mit den Armen über dem Kopf in den Service wütet und vor versammelter Mannschaft, Mitarbeiter und auch fremde Klienten, verkündet „Die sind dauernd nur am vögeln. Dauernd. Man kann nicht schlafen, essen oder sonst was. Dauernd!“.

So viel zum Thema, ihr sei das egal, wenn nachmittags eine Runde eingelegt wird. Das geht sogar soweit, das sie meine bzw. unsere Chefs eingeweiht hat. Werde ich alles abstreiten, weil ich diese Sperre zwischen privaten und beruflichen Dingen, im Gegensatz zu den anderen, für sehr sinnvoll halte.

Auch Whats-App Benachrichtigungen erinnern ständig, Mitbewohnerin is watchin you. Stiummungsbreaker schlecht hin, wenn du gerade noch mit deinem Kerl Billard gespielt hast, und er sich entschlossen hat mit der schwarzen Acht einzulochen. Natürlich ausversehen und nicht weil er dasselbe mit dir machen will. Ich muss schon wieder grinsen. Dann mussten eben die Yoga-Matten wieder ausgerollt werden. Er war angenervt, weil er „nicht jedesmal einen verdammten beschissenen Parcour aufbauen will, damit der Hausdrachen nicht Feuer speit“.

Neben diesen Irrungen und Wirrungen hisst mein Genosse Mirko (20) ebenfalls die Fahne im Arschgeigen-Krieg. Er hat keine Lebensmittel mehr da. Ich schenke ihm meine Spaghetti. Er ist weder dankbar noch entgegenkommend. Stattdessen befiehlt er mich, die Nudeln in die Küche zu bringen, die nicht mal ansatzweise auf meinem Weg liegt. Gut, von mir aus. Aber dann um halb zwölf nachts mit Musik und Töpfe zu poltern ist schon relativ grenzwertig. Die Geräusche-Sperre hat stark in meinen Fingern gekribbelt.

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Ausgeraubt

Leere, unheimliche und unglaublich traurige Leere. Wie ein aufgebrauchter Milchkarton. Das würde ich antworten, wenn jemand fragen würde wie mein Ist-Zustand wäre. Aber niemand fragt nach meinem Milchkarton-Gefühl. Nicht mal das B-Wort-Phänomen. Er schläft. Aber ich bin wach.

Ich hätte auch ja sagen können, dann wäre er wach und hätte mir wie von ihm gewollt mein Frühstück gemacht. Aber ich habe meine Platitüde vorgeleihert: „Ne, schon gut. Alles oke.“ Dabei wollte ich nur mal schauen, wie sehr es ihm wichtig ist, das gemeinsame Frühstück. Schlaf ist ihm wichtiger. Verständlich bei nur vier Stunden Schlaf. Mein rituelles Müsli werde ich wohl nicht frühstücken, dafür ist mir meine Milchpackung gerade zu unheimlich, Kaffee fällt dann wohl auch weg.

Irgendwie brauche ich heute auch kein Kaffee und wach zu werden. Dafür zumindest nicht. Mir schwirren immer noch die Töne der Alarmanlage nachts um halb zwei im Kopf. Eine ekelhafte Sirene. Ich verstehe nicht wieso man nicht einfach laut ein gutes Lied abspielen lässt. Zusätzlich zu den Einbrecher wird man noch mit der Vergewaltigung des Gehörgangs bestraft.

Einbrecher also. Eine nette Berufsgattung. Es steckt mir noch in den Knochen, die Panik. Spezifischere Ex-Freund-Panik. Er hat sich ja wieder vermehrt gemeldet, trotz Blockade. Aber es waren nur ein paar Vandalen. Trotzdem, ich kam nicht drum herum. Dann stand ich da, in Jogginghosen und Pullover. Nichts drunter, weil das „Frisch Gevögelt“ Etikett noch an mir haftete, und zitterte am ganzen Leib.

Man hat mir die Sicherheit geraubt, dass ist das schlimme. Und ich sitze nun so da, mit meinem Tee, weil Kaffee nun mal nicht geht – alleine. Ich stelle mir selbst die Frage, wie es mir nach dieser Sache geht. Die Milchpackung in meinem Kühlschrank ist glaube ich seit gestern abgelaufen.

Die Schweiz

Es hat nicht lange gedauert bis meine kleine Wohnfläche im Christina-Land Angriffen ausgesetzt war. Schon immer vermeide ich es, dass sich Menschen bei mir einquartierten. Ebenso vermeide ich es mein Sammelsurium an Chaos in alle Windrichtungen zu verteilen.

Es gab schräge Momente, in denen ich meinen Lovern erklären musste, wieso ich meine Zahnbürste hier nicht liegen lasse. Da kamen Erklärungsversuche die hat man noch nicht gehört. Dann gab es witzige Momente, in denen ich ein frisch gewaschenes zusammengelegtes T-Shirt auf meiner Kommode fand, Deo oder ein Ersatz-Handyladekabel das sich plötzlich in meiner Schublade befand. Solche Fremdeigentümer haben ein sehr interessantes Eigenleben: sie exponieren. Aus einem Shirt werden schnell zwei, wenn man nicht aufpasst. Nervige Angelegenheit. Ich trenne Privates und soziales-zwischenmenschliches. So einfach ist das.

Im Klartext, die Schränke und Schubladen sind für Einheimische bestimmt. Diese Heimische zählt die Population von einer Person. Und einfach weil mich die Tasche genervt hat bekam der Einwanderer vorübergehend eine winzige Schublade. Ich habe sie zur Schweiz erklärt. Neutal, nicht bedrohlich und feindlich gesinnt, aber auch nichts weswegen ich Freudensprünge machen würde.

Aus der Schublade wurde dann ein eigener Haken an der Gaderobe. Dazu nahm die Schweiz wenig später ein Plätzchen in meinem Kühlschrank ein. Es folgte ein neues Schränkchen, das gekauft wurde. Und von dieses Schränkchen hat seit vorgestern einen Bruder. Die Invasion der Lennart’s, für Ikea-Kundige. Die Schweiz breitet sich aus, bewaffnet mit Zahnbürste und Bleu de Chanel.

Feindliche Übernahme.

Sonntagsgeschehnisse

Sonntag, die FIBO. Brechend voll. Das Who’s Who der Fitness-Szene.

Ich lass mich treiben, wie schon die vergangenen Tage zuvor. Irgendwie merkwürdig wie wenig ich hier rein passe, obwohl mir ständig der Satz „… aber du studierst das doch“ zugeworfen wird. Gesundheitsmanagement hat für mich wenig mit eingeölten und stahlharten Muskeln zu tun. Es tut weh wenn man gegen so eine Muskel-Mauer läuft, weiß ich nun aus Eigenerfahrung.

Über meinem Kopf fliegen bunte BCAA’s. Supplements – ein Aminosäuren-Kombination. Alle Arme recken und strecken sich, um so viele Miniatur-Probepäckchen wie möglich zu ergaunern. Rosenmontags-Umzug für Erwachsene auf Steroiden. Mir fällt eins vor die Füße. Ich hebe es aus Reflex auf. Böser Blick auf neun Uhr. Die ehemalig weibliche Gestalt schaut mich schräg unter ihrer rosa Cappie an. Ich habe in ihrem Revier gewildert, wie es scheint. Den selben Blick ernte ich heute nicht zum letzten Mal. Dann lasse ich mich wieder treiben. Weg von meiner Gruppe und meinem Menschen, der mich dabei haben wollte.

Nach der hundertsten Eiweißriegel-Verkostung habe ich dann mein Ziel erreicht. Mir ist nun genauso schlecht im Magenbereich wie im Kopf. Fühlt sich nun ausgeglichener an. Wobei meine Begleitung und Irgendwie-Freundin Lea immer weiter an meinen Nerven zieht. Ihr Dauerthema, ihr langweiliger Freund und ihre kleinkarrierte Liebelei mit ihm. Sie ist alles was ich in dieser Hinsicht verachte. Das Heimchen am Herd. Viel gemeinsam haben beide nicht, er will mit ihr wenig unternehmen, ihr macht das nichts aus, sie macht Zugeständnisse während er zu oft Nein sagt. Hauptsache Lea wartet im Kinderzimmer von Hotel-Mama und hält das Bett warm, wie ein Golden Retriever ohne Eigenleben. Optisch verwahrlosen beide immer mehr. Er wird immer fetter und sie geht scheinbar Kamm und Pflegeprodukten immer mehr aus dem Weg. Und das größte Problem von ihr ist es, bei wem heute übernachtet wird. Und da wird auch nur geschlafen.

Schlafen. Etwas was ich immer weniger tue. Entweder weil ich an die Wand getackert werde, oder weil mir die Luft abhanden kommt und ich flüchten will, wenn ich im Augenwinkel diesen wahnsinns Kerl schlafen sehe.

Er läuft vor mir. Und wird von Lea ermahnt, der muskulösen Botox-Silikon-Mischung nicht so auf den Arsch zu glotzen, er habe ja eine Freundin. Seit wann hat der denn eine Freundin? Dann viel mir ein, sie meint mich. Eklig. Ich schaute mir dann lieber den Hintern der eben erwähnten Kreatur an. Wow nicht schlecht. Zehn Minuten später klebe ich sabbernd vor einer Athletik-Show. Auch ich werde ermahnt von Lea. Dann wird sie von Kathrin kommentiert. Schauen darf man doch. Appetit kann man sich ja holen, gegessen wird dann Zuhause. Fand ich witzig.

Die bunten Probe-Päckchen mit allerlei chemischen Kreuzungen karnevalierten erneut durch die Lüfte. Ich ließ mich wieder treiben, weg von dem Trubel, obwohl ich immer tiefer hineingezogen wurde. Verrückt.

Geister

Gestern jagten mich die Geister. Die blockierte Nachricht die man trotzdem immer noch im System nachlesen kann. „Inhalt blockiert“ aber nicht „Inhalt nicht da“. Natürlich habe ich es gelesen. Nach fast einem halben Jahr immer noch die gleiche SMS. Er liebt mich immer noch, mein ex-geliebter Ex-Freund, der Soziopath.

Auch der Welpe ließ mich wieder den ganzen Tag wissen, dass er noch irgendwo da draußen ist und nachhause kommen möchte. Dass ich ihn zurück ins Tierheim gegeben habe, sodass er von einem anderen viel schöneren und liebevolleren weiblichen Wesen adoptiert zu werden, hat er scheinbar immer noch nicht verstanden. Ich verstehe nicht was an der Aussage, wir passen nicht zueinander und ich will mit dir keine Partnerschaft aufbauen, falsch zu verstehen war. Er hat sich verknallt, er wollte sein Leben mit mir verbringen und ob ich das zwischen uns nicht gefühlt habe. Er ist am Boden zerstört. Es gab nie ein zurück zu etwas, was gar nicht da war.

Meine derzeitige formvollendete B-Wort-Augenweide lag auf dem Teppichboden, Arme hinter dem Kopf verschrenkt und die Decke betrachtend, und äußerte charmant seine Sicht dazu. Er könne nachvollziehen wieso der Welpe nicht locker lassen kann, ich sei eben diese eine einzigartig wundervolle Person, die man nie gehen lassen möchte. Gewagt ehrlich, weshalb er, nachdem er realisiert hat was er da gesagt hat, nach einer kurzen Schockpause den Satz „vor allem nackt“ nachschmiss. Ich grinste.

Auch der Mixer-Mann geisterte durch unsere Gespräche. Was braucht Mann/Frau um der perfekte B-Wort-Co-Pilot zu sein. Sodass man im Hintergrund jedesmal dieses eine Lied hört wenn sie den Raum betritt, es einem heimelig warm wird und man darauf unweigerlich grinsen muss. Es gibt drei Säulen, harmonieren alle drei zusammen gemischt, hat man das, was ich den utimativen Mixer-Mann getauft habe. Und irgendwie nähern wir uns immer stärker Mr. und Mrs. Mixer an. Ich werde in letzter Zeit öfters so angesehen. Es bereitet mir Magenschmerzen.

Mir spukt das Thema präsent im Kopf. Nun bin ich irgendwie gold-blond. Irgendwie Sabotage. Ich weiß er steht eher auf Brünette als auf Blondinen. Definitiv Kurzschlussreaktion, Sabotagehandlung. Guten Tag alte Bindungsscheue, ich wusste wir haben da etwas dauerhaftes zwischen uns. Du suchst mich dieses Mal aber relativ früh heim, mein Liebes. Vermutlich weil alles anders ist. Alarmstufe Rot. Grinsen und leise das blöde Lied im Hintergrund, verflucht, schon seid Tagen.


Familienbande – Nicht Lesenswerter Kopfinhalt

„Spätestens in vier Monaten bist du wieder zu Hause weil du nichts auf die Reihe bekommst.“

Ein Satz der Mut macht. Ein Satz, der Stolz und Wohlwollen ausdrückt. Ein Satz, der viel zu oft fällt, wenn ich mit meinen Erzeugern rede. Mir fallen dann spontan wieder mindestens zehn Gründe ein, wieso ich für mein Studium dreihundert Kilometer in Richtung Mirvölligegal gezogen bin.

Nein, keine Panik. Ich bin einundzwanzig und stehe über diesen Dingen. Habe ich schon mit süßen sechszehn. Das wird kein peinlicher Eltern-Verriss. Die Dame und der Herr sind so. Manche Menschen sind so.

Soll ich die Top Drei an Beispielen aufzählen die das belegen? Bitte gerne, ich bin heute in Coffe and Contemplation Laune.

Christina holt Bronze von Rheinalnd-Pfalz in ihrem Sport, kommt nachhause und hält Mamabär die Medaille vor die Nase. Schulterzucken. Wir erwähnen mal nicht, dass keiner der Elternteile bei dem Wettkampf anwesend war. Ich war als einzige Teilnehmerin wieder im Soloflug unterwegs. Ich war übrigens auch auf der deutschen Meisterschaft, die Tage dauerte, ich habe mich ja mit der Drittplatzierung für die Landes-Championchip qualifiziert. Ebenfalls im Waisenkindmodus absolviert. Sie sind eben so.

Christina bringt das Zeugnis der siebten/achten Klasse nachhause. Grinsen im Gesicht. Klassenbeste. Reaktion der Eltern: „Ist eben kein 1,0 Durchschnitt“. War es auch nicht, den hatte niemand. Recht haben sie ja. Kein Grinsen mehr im Gesicht. Sie sind eben so.

Christina sitzt wie jeden nachmittag in der Küche auf dem kleinen weißen Hocker und erzählt von ihrem spekatkulären Leben im Teenageralltag. Passieren ja die weltbewegensten Dinge. Gerüchteküche, Sportverletzungen, Beziehungsdramen, blöde unfaire Lehrer, Zickenkriege und weiß der Geier was sonst. Ich hätte nicht fragen sollen ob sie mich akkustisch versteht, durch den Lärm der Abzugshaube. Die Antwort kam promt: „Nein. Komm zum Punkt. Mich interessiert das alles sowieso nie.“ Direkt ist die Frau, das muss man ihr lassen. Christina redete fortan nie wieder mit ihrem biologischen Stammbaum über Privates. So sind sie eben.

Da sind sich beide gleich. Kühlschränke in zwischenmenschlicher Hinsicht. Ich denke nicht das sie dafür etwas können. Manche sind emotional, liebevoll und empathisch und manche können mit den Begriffen nichts anfangen. Herausgefunden habe ich das auf direkten Wege. Frage niemals meine Eltern ob sie dich überhaupt lieb haben. Meine haben mich als Antwort darauf ausgelacht. Naja, aus Fehlern lernt man. Wer denen erlaubt hat Kinder zu bekommen, ich bin übrigens ein geplantes und gewolltes Kind gewesen, verstehe ich dennoch nicht so richtig. Aber so ist das nun mal.

Umgezogen bin ich auch auf eigene Faust. Eigenfinanzierung und Eigenorganisation. Auf, auf – ins Blaue. Unterstützung, Fehlanzeige. Und wenn es mal brenzlig wird weiß ich auch, wem ich nichts davon berichten darf oder auf Hilfe hoffen kann. Gemeint sind meine Erzeuger.

Dann ist es natürlich Schwachsinn meine Eltern zu fragen, was ich machen soll. Habe ich dummerweise dann doch und total vergessen, dass meine Erzeuger nicht die Norm sind. Mein Mietvertrag fesselt mich an die WG, in der ich nicht weiter wohnen kann ohne mir geistige Schäden einzubrennen. Ist ein anderes Thema. Fakt ist, ich habe den Mietvertrag für die neue Wohnung in der Hand. Finanziell kann ich momentan keine zwei Wohnorte wuppen. Die Alternative, hier bleiben und zu Jack Torrance mutieren, ist keine Alternative. Anstatt zu helfen, und eine der Wohnmöglichkeiten zu finanzieren, wird vorgeschlagen die Ausbildungstelle mit samt Wohnung zu kündigen oder ich soll mit dem klar kommen was ich habe. Sagten zwei Menschen mit drei Häusern, teuren Urlaubsreisen, dicken Autos und noch dickeren Rücklagen auf der Bank. Die Firma dankt, kein Wortspiel in unserer Familie. Wir sind sehr gut aufgestellt. Mit wir beziehe ich nicht mich ein. Man gönnt es mir nicht, wie auch immer.

Naja egal wie, ich liebe meine Eltern. Schrullige Menschen die zu keinem Menschen auf dem herrlichen blauen Planeten jemals Wohlgesonnen waren. So sind sie eben.

Auf eine teils masochistische Art und Weise freue ich mich schon ein kleines bisschen auf das Chaos das sich wieder anbahnt. Christina im Vollzeitmodus. Vollzeit-Ausbildung, Vollzeit-Studium, Vollzeit-B-Wort; vor allem in der Horizontalen, und zukünftig Nachtschichtarbeiterin um die Miete zu bezahlen. Leben am Limit. So ist sie eben.


Splitter und Kopfschmerzen

Ich wache auf und es splittert. Ziehender Schmerz und ich presse die Augen zusammen, versuche mich wieder zurück in den komatösen Schlafzustand zu schicken. Die warmen tattoowierten Arme, in denen ich mich befinde, helfen ein wenig das schneidende Gefühl zu dämpfen. Ein wenig verstecken vor der Realität. Aber mein Kopf ist wach und fängt an zu arbeiten. Es splittert weiter und ich versuche die einzelnen Teile zusammen zu halten. Ich bin eindeutig wach.

Alte Wohnung, neue Wohnung. Fesselvertrag und neue Schwierigkeiten. Finanzierung. Schein waren. Arbeitsverhältnis nicht ruinieren. Autorität zeigen. Keine Zeit für noch ein Nebenjob. Nebenjob suchen. Niere verkaufen, prostituieren oder bei den Eltern zu Kreuze kriechen. Zweiteres in Erwägung ziehen. Kuss auf meiner Stirn. Prostitution streichen. Noch einer. Nähe. Mulmiges Gefühl ignorieren. Kaffee, definitiv.

Ich stehe auf. Weil mir danach ist. Und nach Kaffee. Das trübe Wetter passt zu meiner undurchsichtigen Gefühlslage. Große Güte, will ich mich wirklich mit meiner Chefin anlegen um aus dieser beschissenen WG raus zu kommen? Und wenn das nicht funktioniert, wie soll ich zwei Wohnungen tragen? Und will ich dieses schlafende Wesen eigentlich wirklich behalten? Wenn ja, wieso?

Die andere Hälfte der B-Wort Aktion lächelt mich an. Ich verstehe diesen Idioten nicht. Er nimmt einen Kredit auf um mich versuchsweise aus dem explosionssicheren Mietverhältnis raus zu kaufen. Idiot. Wieso ich. Was habe ich so besonderes, dass das sinnig rechtfertigt. Was stimmt mit dem Kerl nicht. Und wenn das alles schief läuft – es reißt wieder. Scharfe Kanten, die sich mit meinen Schläfen anfreunden wollen. Zum Teufel mit dem Selbstschutz. Eher Selbstverstümmelung.

Ich sollte einfach gehen. Weg von dem lächelnden Berg Zufriedenheit, der mich mit Morgenmüdigkeit in den Augen anschaut. Als ob er etwas gewonnen hätte. Irgendwie schön anzusehen. Traurig, wenn man bedenkt, dass ich ihm nichts dergleichen zurück geben kann. Er ist echt einer von den Guten. Vielleicht auch für mich. Und wieder zieht es. Das wird nichts.

Ich denke an Flucht, Auswandern. Gesichts-OP und gefälschter Ausweis. Und mir treibt es die Spitzen Enden in die Lunge und Schläfen. Ich denke an Beziehung, aneinander kleben und alles was ein Ottonormalverbraucher im Pärchenverhalten auslebt. Gleiches Prinzip. Bestialische Kopfschmerzen. Warum nun beides. Folter auf eine ganz neue Ebene.