Böse Flittchen

Alle Welt hasst sie. Diese Sorte Mädchen, diese Art Mensch.

Personen die ihr Leben so nehmen wie es kommt. Heiß kalt, schnell langsam. Man kann sie nicht kontrollieren und sie stellen dich eventuell auch in den Schatten. Einfach weil sie offen sind und sich an keine festen Regeln halten. Mein Name ist Christina und ich gehöre zu ihnen. Man hat mich offiziell abgestempelt.

Feiern gehen ist eine wunderbare Sache. Du kommst raus aus deinen Jogginghosen und kannst für ein paar Stunden Mädchen spielen. Ganz ehrlich, meine Figur ist nicht die beste und mit meinen Haaren dazu komme ich einem nassen Langhaar-Pudel gleich. Aber nach einer Stunde Grundsanierung mit Glätteisen, engen Jeans und Lippenstift sehe auch ich zur Abwechslung mal weiblich aus.

Warum sollte ich das dann nicht nutzen? Und warum ist das so ein großes Problem? Mein Arbeitskollege „verräumt“ (seine Worte) jede Woche im Durchschnitt zwei weibliche Exemplare und man klopft ihm auf die Schulter. Applaus und Anerkennung folgen meistens sofort darauf.

Ich bin nicht prüde und auch nicht schüchtern nach eins zwei Gläser. Also knutsche ich mit jemandem im Club auch neben dem Tanzen mal rum. Und schon fällt Max vom Glauben ab. Jemand der Tinder nicht als Dating-App nutzt schimpft mich als billiges Flittchen. Jep, das ist sein purer Ernst.

Ich wurde natürlich, so heiter angetrunken wie ich war, außerordentlich ausfallend – hier möchte ich einwerfen, an alle die ich beschimpft hab, ein großes Sorry. Ich kann noch nicht mal sagen was genau passiert ist, dazu habe ich mal wieder zu tief ins Glas geschaut. Filmriss. Ich bin fern ab von dem Etikett „perfekt“ und bin im Bezug zu Selbsteinschätzung genauso zurück geblieben.

Ende des Liedes, ich habe Max inklusive jeden der mir zu nahe kam beschimpft. Alkohol macht also doch aus jeden noch so kleinen 160cm großen Mädchen ein Biest. Somit habe ich den Abend relativ erfolgreich gesprengt. Es überrascht mich ehrlich gesagt selbst, dass es mir doch so viel ausgemacht hat das Max, die Überheblichkeit in Person, mich mit seinen winzigen Sticheleien die er im Laufe des letzten Monat gestreut hat, so dermaßen gekränkt hat. Im nüchternen Zustand sind mir seine Kommentare a la „so hübsch ist Christina nun auch nicht, dass sie so viele männliche Bekanntschaften hat bzw. hatte“ egal. Ich komme damit zu recht.

Jetzt bin ich der Mittelpunkt einer Hexenjagt. Max redet nicht mehr mit mir und stichelt mein Arbeitskollegen Mirko inklusive seine Freundin gegen mich auf. Und absolut jeder auf meiner Arbeit weiß mittlerweile besser über den Abend bescheid als ich selbst: Ich bin außer Kontrolle. Ich hab jeden angesprungen der bei drei nicht auf dem Baum war. Ich war unfassbar bösartig…

Nur gut das sich Max verkniffen hat mich ebenfalls herunter zu putzen und mich nachhause gefahren hat. Ach warte, stimmt ja. Er hat eher das Gegenteil von allem gemacht.

Jedenfalls hat sich jetzt ein Mob um Max gesammelt die mich glaube ich lynchen wollen. Also wer auch immer das jemals zufällig liest, ein mal bitte die Mistgabel und die Fackel entstauben. Sei dabei. Lass dir die Hexenjagt nicht entgehen. Eine famose einmalige Gelegenheit.

Gute Güte, wenn die wüssten das ich noch nachher zwei Stunden mit jemand Spaß hatte den das ganze Team kennt… So gut wie Hester Prynne, die Nathaniel Hawthorne’s Feder entsprungen ist, würde ich definitiv nicht weg kommen. So viel ist sicher.

Na fein, ich werde mich mal weiter verkriechen. Morgen muss ich ja mit Max Freundin die Schicht bewältigen. Die wird mich zur Hölle schicken.

Bis dahin, einen wunderschönen Abend – das Super-Flittchen.

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