Feste und flüssige Freunde

Mit unschuldigen acht Jahren habe ich in meinem Klassenzimmer gesessen und habe mir meinen perfekten Freund ausgemalt. Hübsch, lieb, nett und für immer und ewig. Wie wir Cola zusammen trinken und ganz viele Süßigkeiten kaufen und so lange wach bleiben wie wir wollen. Was anderes konnte ich mir gar nicht vorstellen. Es war sonnenklar, das ich wie Barbie direkt nach der Schule den passenden Traumprinzen finde, und dann heirate. Freund, Liebe, Heirat, Happy End. Das war mein Konzept.

Heute sitze ich vor meinem Laptop, und lache über meine niedliche ehemalige Sicht auf die Welt. Und natürlich über die letzten 72 Stunden.

Ich bin wirklich kein Kind von Traurigkeit. Nach zwei gescheiterten Beziehungen und einer nicht Zustande gekommenen habe ich die „anständige-Mädchen-Schürze“ geschmissen und hab mich umgesehen. Ich hatte Spaß mit One-Night-Stands und mit Freundschaften die auch ohne Klamotten gut miteinander harmoniert haben. Die erste große Liebe habe ich dann tatsächlich danach zwischenzeitlich auch gefunden. Dieses Kapitel ist auch unglaublich katastrophal verlaufen, oder wenn man es als Außenstehende gesehen hätte, dann war es schon immer ein Desaster. Aber ich wollte ja nicht hören, stimmt’s? Naja, die Aufgewärmte Variante hatte ich auch schon, was ich persönlich favorisiere. Ganz egal was die Cosmopolitan oder Instyle so kritisch beäugt.

Irgendwie hatte ich in letzter Zeit ein paar Dates zwischen mein Studium/Job schmuggeln können und habe einen recht niedliches Exemplar gefunden. Den Date ich nun schon eine ganze Weile. Da das noch nichts Festes ist und ich mir da auch noch nicht so sicher bin, war ich, wie schon erwähnt, vor einer Woche mit einem anderen auf Tuchfühlung gegangen. Ich hatte Bedürfnisse, er hatte Bedürfnisse – also warum nicht. So konnte ich auch gleich feststellen ob ich lieber weiterhin diese zwanglose Schiene verfolge oder den Intercity-Express Richtung Herzchen und Händchen halten nehme. Klar, viele schütteln jetzt den Kopf à la was für eine … . Aber dann habt ihr die Headline von dieser Seite deutlich und gekonnt ignoriert, Gratulation. Dann würde ich auch nicht empfehlen weiter zu lesen. Es kommt noch pikanter.

Dieser Goldjunge ruft mich nach ein paar Tagen an und hatte wunderbare Neuigkeiten. Er war beim Arzt, er hätte sich irgendwas eingefangen und das hätte er zu hundert Prozent von mir. Ich war baff. Hört man doch gerne nach einem relativ schönen Tag. Woher soll ich das denn bitte her haben und seit wann? Rechnerische komme ich in den letzten sechs Monaten auf „nur“ drei Partner seit meiner sauberen Weste. Einmal er, und einmal mein Ex und dazu noch meine lockere Date-Geschichte. Von meinem Ex dürfte ich nichts abbekommen haben, der hatte mich nie betrogen und meine Date-Geschichte ist so grün hinter den Ohren wie ein Welpe. Ich habe mir folglich den Kopf zerbrochen. Vor allem weil ich auch keine Beschwerden vorweisen kann.

Ich bin dann noch in der Nacht zum Krankenhaus und hab um Hilfe gebettelt, denn egal was ich schon so alles hatte, mir blieb, bis auf das klassische Kondom gerissen Malheur, sämtliche negative Konsequenzen erspart. Ich passe was das angeht auf. Ich habe bis drei Uhr morgens geheult wie ein Schlosshund nach dem man mir nicht weiterhelfen konnte. Mein Goldjunge war dabei zur Unterstützung weil er sich schlecht vor kam, mich mit meiner existenziellen Lebenskrise alleine zu lassen. Den Tag darauf habe ich einen Spießrutenlauf im Deutschen Gesundheitssystem absolviert. Ich bin umgezogen und mein Frauenarzt und mein Hausarzt haben sich leider nicht dazu aufraffen können mir in ein anderes Bundesland zu folgen. Ergo, ich stehe da, ohne Arzt und darf mir die Finger wund telefonieren, etliche Absagen kassieren und auf den nächsten Tag vertröstet zu werden. Am Ende konnte ich einen Termin bei einer super netten Vertretung ergattern die sich leider mit den Deutschkenntnissen etwas schwer tat. Sie versicherte mir das ich tip top wäre und ich habe keine Ahnung auf welcher Grundlage sie das beurteilen konnte, noch konnte ich sie deutlich verstehen. So langsam hat sich aber auch mein kleines Hirn durch das dauerhaft kreischende Etwas in meinem Kopf durchgesetzt, und ich habe mal genau nachgefragt. Mein Goldjunge hatte nur von seinem Arzt eine Vermutung diagnostiziert bekommen.

Natürlich schließt man heutzutage immer von Husten auf Lungenkrebs und damit auch auf den nahenden Tod. So eine entzündete Harnröhre entzündet sich nicht nur anhand der ultimativen STI. Einfache billige Bakterien waren es. Na toll, ich habe mich 72 Stunden wie die Pest gefühlt und habe zehn Nahtoderfahrungen hinter mir, nur weil sein Arzt Rätselraten oder Lotto mit Diagnosen spielt? Super, ich liebe mein Leben.

Meine Dating-Geschichte aka meinen Welpe habe ich natürlich auch davon berichtet, total um sonst. Die angemessene Reaktion darauf hätte meines Erachtens auch anders verlaufen müssen. Nicht „Na klar hast du nichts, mach dir keinen Kopf, ich bin für dich da, wir stehen das zusammen durch, ich liebe dich„. Nein, nein, nein, nein. Definitiv nicht.

Lustig wie mein Leben verläuft. Kommt nicht so ganz meiner Vorstellung mit niedlichen acht Jahren entgegen. Gegen Langeweile und Geradlinigkeit hätte ich zur Abwechslung zu meiner Achterbahn-Laufbahn echt nichts einzuwenden. Die Frage ist, was nun?

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