Adventskalender

Es gibt doch nichts schöneres zur Weihnachtszeit als ein guter alter Adventskalender. Überraschungen hinter jedem Türchen. Jeden Tag etwas anderes.

Jetzt münzt mal das gleiche Prinzip auf ein ganzes Jahr. Also ein 365-Tage Überraschungs-Kalender. Klingt doch richtig super? Klar, sofern man nicht mein Name durch die Gegend schleppt. Ich habe das Glück, dieses Phänomen in gegenteiliger Version Probe zu fahren.

Freitagmorgens dachte ich eigentlich, jetzt reicht der ganze Zirkus mal für die nächsten Wochen. Leider ist Decima partout gegen meine Sicht der Dinge. Die drei römischen Schicksalsgöttinen sind ja selten meiner Meinung, aber Decima, die über das Lebensgeschick jedes einzelnen entscheidet, gönnt mir scheinbar nicht im entferntesten eine einfache Lebenslinie. Eine Kostprobe gefällig?

Ich habe es gerade mal zu Freitag Abend geschafft. Um meine Kollegin und Freundin nicht hängen zu lassen ging ich an diesem Abend zu der Einweihungsparty eines Ehemaligen mit. Ich wurde dummerweise sogar persönlich eingeladen, was das Absagen erheblich schwerer gemacht hat, bzw. am Ende auch nicht gefruchtet hat. Meine reizende Freundin weiß wie man Menschen überredet.

Naja, dann dachte ich mir, bleib nicht so lange und trink einfach nur Wasser, das wird bestimmt schon lustig. Der Gastgeber versuchte sich natürlich in biblischen Fähigkeiten und ließ Wasser zu Wein werden und zusätzlich durfte ich als Spielpartner in einem abgefahrenen Trinkspiel fungieren. Das meint, meine Freundin hat gewürfelt und ich durfte die Konsequenzen davon runter stürzen. Was tut man nicht alles als gute Freundin. Lustig war es dann doch, keine Frage. Mein Welpe schrieb mir zu der lockeren Zeit natürlich wie der Zufall so will auch. Er wollte wissen ob er her kommen dürfte und ob ich am Tag drauf mit auf eine Geburtstagsparty gehen möchte. Das Resümee war, ich stand halb eins angeschickert auf dem Flur und hab meinen Besuch begrüßt.

Darauf folgte ein misslungener Start in den langen Arbeitstag am Samstag und unnötiges aufgebretzel für eine Feier, auf der ich exakt einen Menschen kenne, meinen Welpen. Ich habe mich gegen Abend auch relativ schlecht gefühlt. Aber ich habe mich zusammen genommen und bin mit gefahren. Die anschließenden Stunden kann man nur sehr schwer beschreiben. Ich habe selten einen so bunten und super schrägen Haufen durchgeknallter Menschen auf einen Raum gesehen. Einer hat sich mir ständig als „Gollum“ verkauft, naja optisch hatte er wirklich frappierende Ähnlichkeit. Und alle waren echte Kommunikationshelden. Ist ein wahnsinniger Kontrast zu meinem Umfeld an Studenten und Studierten, die alle den berühmten Stock in der Leistengegend haben. War wirklich eine bombastische Erfahrung.

Etwas dezimiert wurde das alles um fünf Uhr morgens, als mein Exfreund mich über zwanzig mal geortet hat und dann die Remote-Löschung meiner Gerätedaten per Fernantrag initiert hat. Ihr müsst euch das Vorstellen. Euer Handy hat sowas wie einen gestörten Anfall und klingelt und will nicht mehr aufhören, um fünf Uhr morgens! Noch schöner war als ich mein Handy zur Arbeit mit nehmen wollte und feststellen musste das ich das Gerät komplett neu einrichten muss. Auf Werkeinstellungen zurückgesetzt, alles was drauf war ist verloren. Grandios, es lebe mein Exfreund.

Und zur Krönung saß ich um zwanzig Uhr sonntags nach der Arbeit auf dem Boden und starrte mein Fieberthermometer an. 38,6°C Fieber, Schüttelfrost, Hitzewallungen, monströse Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel. Die Temperatur stieg munter und mein Welpe, der schon lange daheim sein sollte war dementsprechend immer noch da un hat mich bisschen unterstützt. Eigentlich ganz süß, ehrlich. Ich kenne eher die andere Variante. Und ich … ich bin an diesen Tag hart an meine Grenzen gegangen.

Findest du bestimmt amüsant Decima, kleine Sadistin. Irgendwann musst du mir dringend verraten warum ausgerechnet ich. Und was soll das Rumgeschubse an jedem verdammten Tag. Kann ich nicht einfach mal einen Tag in Ruhe gelassen werden? Einen Tag nur stricken, häkeln oder die Sauerstoffmoleküle in der Luft zählen? Schlicht und ergreifend dabei zu sehen wie Netflix meine Gehirnzellen weg brennt oder mich einfach mal mit dem Begriff „Langeweile“ auseinander setzen? Ne, war ja nicht anders zu erwarten.

Mal sehen was die kommende Woche so an Turbulenzen mit sich bringt. Ich bin gespannt. Also, gönnt euch Popcorn, das Jahr hat erst angefangen.

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