Berauschendes Wochenende

Willkommen zu einer neuen Episode Leben im Wahnsinn. Die verpfuschte uncut Version. Kinnladenbrecher mit Fremdschämpotenzial und fernab jeglichem Verständnis. Warum? Weil ich so ein berauschendes Händchen für Feinkostkatastrophen habe. Schon gespannt? Aufgeregt?

„Berauschend“ ist ein gutes Stichwort. Das Endresultat einer Nacht voller komplett dämlicher Entscheidungen. Oder Wochenende? Eher Wochenende. Erster Strike: die Entscheidung an Karneval feiern zu gehen. Egal welche präventive Vorarbeit ich leiste, damit es erst gar nicht möglich ist in bestimmte Situationen zu geraten, das Schicksal ist verdammt hartnäckig. Ich dachte mir hey, gib dein Geld zum feiern gehen einer vernünftigen Person, deinem Kumpel, der das verwaltet. So kommt die Christina erst gar nicht auf dumme Ideen nach zwei Kurzen. Schön und gut. Die Realität sah das und schickte der Dame in Nöten ein Paar sehr spendable und interessierte Kerle. Die Ritter in glänzender Rüstung. Gut möglich, das dass keine Metapher ist. Ich fand meine Miseren schon immer recht ironisch und abgeschmackt. Der zweite Strike: ich ließ mich mit meinen Helden voll laufen. Und wie es so bei mir üblich ist, ein Wolf im Schafspelz zog natürlich schon langsam seine Kreise um mich. Ich hatte keine Ahnung das er zu dem schlechteren Artgenossen gehört, und so naiv wie ich eben bin, bekam ich schnell die Quittung.

Blaue Pillen. Ich weiß nicht mehr viel davon. Vielleicht habe ich es am Rande mitbekommen, dass eine davon in mein Glas gewandert ist, oder er hat es mir zu guter Letzt ins Ohr geflüstert. Ich weiß es nicht. Fakt ist, freiwillig habe ich die nicht genommen. Ebenso wenig wie ich feiwillig komplett hinüber in der Toilette zusammen geklappt bin. Meine berühmte Fluchtreaktion hat mich hier diesesmal vor schlimmeren Dingen bewahrt. Ich will gar nicht erst wissen was passiert wäre, wenn der Kerl das zu Ende gebracht hätte, wozu er mich in einem äußerst wiederstandslosen Zustand gebraucht hatte.

Eine Frage hätte ich da doch schon. Was ist denn bitteschön falsch mit euch Menschen? „Lass mal heute ’ne Olle verräumen. Am bestens wenn sie halb tot ist. Wird der hamma. Bruno, vergiss nicht die Pillen. Wird steil heute“, oder wie? Was bringt dir das denn? Die Lady ist komatös und du musst sie dann, weiß der Geier wohin, an den Haaren durch die Gegend schleppen. Anschließend bringt sie dir doch so oder so nichts mehr. Bewusstlosigkeit bringt seltsamerweise das Nebenproblem mit, dass man sich selbst nicht mehr aufrecht halten kann. Macht die Vögelei mit jemand etwas schwierig, hm? Schon nervig wenn die Dame intimeren Kontakt mit dem Boden hat, als mit dir. Dank fehlender Körperspannung ist sie auch zu nichts mehr zu gebrauchen, eine Frechheit. Damit kann man nicht mal Daheim prahlen. Ganz schlimm.

Mein Kumpel hat mich dann eingesperrt im Damen-Klo gefunden und Heim gebracht. Der Abend war jedenfalls gelaufen. Für ihn fing er dann erst richtig an. Er durfte auf auf anraten der Notdienststelle zwei Stunden auf meine Atmung und Herzfrequenz aufpassen und dafür sorgen, dass ich nicht einschlafe. Von einem Heulkrampf zum nächsten gejagt, wurde ich zwischenzeitlich auch wahnsinnig unfreundlich. Und alles hat mein Kumpel abbekommen. Fies sein kann ich, ohne Frage.

Die Details bekam ich dann am Tag darauf erzählt. Meinen Kumpel hatte ich zu Tode erschreckt. Er meinte, im ersten Augenblick dachte er, ich wäre Tod, so weiß und kalt wie ich war. Gewonnen gegen die weißen Bodenfliesen. Witzig wie das Leben so spielt. Aber noch grotesker finde ich die Tatsache, dass das alles keine Spuren bei mir hinterlassen hat. Als ich vor drei Jahren von einem sehr selbstüberzeugten stabilen Kerl aus dem Club in ein dunkles Fleckchen gezogen wurde, und er meine Landebahn prüfen wollte, hatte ich danach die Panikattacken meines Lebens. Zum Zuge kam er nicht, dafür war ich am Ende doch zu schnell für ihn, aber es zog Konsequenzen mentaler Art nach sich. Weshalb es mich wundert, dass die Reise ins Koma-Land von letztem Wochenende so gar keine Folgen nach sich zieht. Als ob ich das alles so hin genommen hätte. Als ob das belanglos gewesen wäre. Als ob es nicht schlimm genug gewesen wäre, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Entweder bin ich die absolute Königin in Sachen Verdrängung, oder ich habe mich schon so sehr an die Scheiße-Tage in meinem Dasein gewöhnt, dass mich so Kleinigkeiten wie Beinah-Tod und -missbrauch überhaupt nicht mehr überraschen.

Ist wirklich schlimm. Decima, du unterforderst mich.

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