Beziehung ohne Beziehung

Es ist Montag und die neue Woche fängt genauso verwunderlich an wie die letzte Woche. Es schneite. Mitte im März. Und ich bin mir ziemlich sicher das mein Kollege Mirko stoned zur Arbeit gekommen ist. Der zusätzliche Flashback in die 80er mit „Feels Like Heaven“ von Fiction Factory, und ähnlichen Berieselungen der Pilates-Vertretung, rundet das, neben Unmengen an absurden Anrufen von meiner Chefin, wunderschön ab. Genauso komisch wie der Tag heute zum x-ten Mal enden soll. Ich fahre nachher zu meinem Kollegen Max. Zu einem Ich-Weiß-Nicht-Was.

Ich kann es wirklich nicht beim Namen nennen, was gerade die Sachlage ist. Er ruft abends emotional ergriffen an, ich schnappe mir meine Autoschlüssel und lenke ihn von seiner Allgemeinpanik ab. Oder er ist „nur kurz“ nach dem Training bei mir. Das „nur kurz“ ging von Freitagabend bis Sonntagnacht. Die Ablenkungen enden immer damit, das einer bei dem anderen schläft beziehungsweise übernachtet, er bei mir oder ich bei ihm. Im gleichen Bett, wie Freunde es natürlich so tun. Zwischendurch vögeln wir uns die Seele aus dem Leib. Natürlich so wie Freunde es tun. Wenn wir nebeneinander einschlafen schummelt sich doch das ein oder andere Mal ein Arm um meine Taille auf dem ich meinen platziere. Alles so wie es normale Freunde tun. Löffelchen schlafen ist das natürlich nicht. Sowas braucht niemand. Und die eiseren Pretty Woman Regel die wir beide sehr ernst nehmen bricht er natürlich auch niemals. Kein Küssen, kein Kuscheln auf dem Sofa. Natürlich nie. Wäre doch total gegen unsere Überzeugungen. Wir beide passen ohnehin nicht zusammen. Kein Stück.

Zur Erklärung: Wir sind beide keine solchen Menschen. Wir brauchen Raum für uns und können am besten alleine sein. Nähe ist echt zu viel des Guten und Privatsphäre das Heiligste überhaupt. Keiner von uns kann länger als 48 STunden jemanden aushalten. Das ständige Tag für Tag aneinander kleben in einer Beziehung erzeugt einen monumentalen Sprintreflex bei uns beiden und zerrt an unseren Nerven. Da kann der jenige noch so nett und liebenswert sein. Rumgeknutsche und kuscheln kommt aus der gleichen Box die uns beide echt nicht interessiert und wirklich lieber verschlossen bleibt. Keiner von uns kann neben einem Menschen gut schlafen. Wir schlafen prinzipiell alleine. Vergnügen wird wie die Arbeit vom Privatleben am besten getrennt.

Alles ziemlich rätselhaft, nicht? Wir tun beide Dinge die wir nicht tun.


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