Schutzmechanismen

Es ist morgens. Du wachst neben deinem Dauergast mit Extras auf, der dich sanft weckt und dich die Nacht über gewärmt hat. Die Vögel zwitschern. Der Tag bricht an und paar Stunden vorher hattest du noch viel Spaß in der Horizontalen, und auch Vertikalen. Das Leben kann so schön sein..

Und du fühlst dich mies. Nein, du fühlst dich besonders bescheiden. So richtig durch mit dem Leben. Mundwinkel sind unten, genauso wie die Augenbrauen, da du die Augen zusammen kneifst. Du schaust nicht mal deinen schönen verschlafenen Wecker an, du stehst auf und gehst geradlinig ins Badezimmer. Dort überlegst du ob es sich lohnt nochmal zurück zu gehen. In einen Raum, in dem sich etwas lebendiges atmendes befindet. Du entscheidest, das du lieber alleine bleibst. Beim Zähne putzen bemerkst du dein grimmiges Gesicht. Sieht furchtbar aus. Du versuchst die drei-Tage-Regenwetter-Mimik aus dem Gesicht zu waschen. Vergeblich. Es ist innerlich Regenwetter.

Dabei war doch gestern noch alles gut. Naja fast. Meine stellvertretende Chefin/ Mitbewohnerin hat mich in eine nicht vorhandenen Beziehung mit meinem tattoogeschmückten Dauergast gesteckt. Uncool aber verkraftbar. Mirko, Harvey Weinstein für Arme und mein Mitbewohner, hat meinen Bettgenossen abends noch angetroffen. Im Schlepptau seinen Christina-Ersatz. Hoffentlich geht er dem armen Ding nicht auch an die Wäsche wenn sie betrunken ist oder noch schöner, schläft und sich nicht wehren kann. Die Frage von Christina-Ersatz, ob das der Freund meiner fast 40-jährigen Mitbewohnerin sei, hat meine Frage, ob man uns eigentlich hört, präzise beantwortet: „Ne, der bumst nur Christina“. Darf ich vorstellen, Christina aka die Hure. Alles geklärt würde ich mal sagen.

Die Etikettiererei bin ich schon gewöhnt, daran kann es nicht liegen. Es ist ein freies Land, denkt und sagt wonach es euch beliebt. Ich Label mich selbst eher weniger. Ich mag eher das Unbekannte und Unbenannte. Es ist farblos und konturlos. Distanziert. Nicht klar definiert, namenlos und schlummert im Verborgenen. Es kann alles sein oder auch nichts. Manche Dinge in meinem Leben lasse ich gerne in dieser Art grauen Nebel verweilen. Ich lasse es ohne Namen in der Schwebe stehen. Das macht es interessant und irgendwie leichter.

Aber warum starrt mich dann die Fremde im Spiegel dann so an? Ich denke darüber nach ob es sich lohnt ein Zimmer im Hotel zu buchen, ich muss noch meine Hausarbeit für die Uni fertig machen. Was ist seit gestern Abend anders als noch zuvor? Es sind nur noch ein paar Stunden bis ich nicht mehr alleine bin, zu wenig. Was verdrängst du?

Ich weiß nicht, es sind nur noch Bruchstücke übrig. In seinem Redefluss von belastenden Dinge kam mein Name vor. Mehr weiß ich nicht mehr. Der Rest ist weg. Geblieben ist nur dieses bleierne Gefühl. Ein schweres Gefühl von nicht gut genug zu sein. Von Entfremdung und Enttäuschung. Von niemals ausreichend zu sein, für nichts und niemand. Unbedeutend zu sein. Und die stetige Umarmung von dem grauen Nebel. Irgendwo schreit es leise „Lauf. Bevor es zu spät ist“. Vieles ist so undeutlich.

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