Distanz

Es ist nachts um zwei Uhr, als ich mich entschließe, in mein Bett zu steigen, und meine menschliche Pflicht erfüllen sollte. Unporduktives Schlafen. Zeitverschwendung. Und mein Bettwärmer steht kerzengerade in meinem Bett. Er hat urplötzlich Platzangst. Schlecht geträumt, vermute ich. Er hat in meinem großen Bett Platzangst. Unbewusst kommt mir die Überlegung, ich raube ihm Privatsphäre, also ich bin ein Störfaktor. Hört man gerne in seinen eigenen vier Wänden, in dem eigenen Bett, um zwei Uhr nachts, nachdem er Stunden zuvor auf der Couch auf meiner Schulter eingeschlafen ist. Fein. Völlig außer acht genommen, dass er davor kein bisschen Platzangst hatte, als er meinen Platz und meine Bekleidung verringerte, zwecks Doktorspielchen. Dabei komme ich mir natürlich überhaupt nicht seltsam vor. Ich entschuldigte mich ernsthaft bei dem Bettwärmer und habe mich an die Bettkante geschoben.

Heute morgen bin ich dann aufgewacht. An der Bettkante, ohne das warme Gefühl auf meiner Taille. Das Bett fühlte sich schlagartig kalt, und wie ein eigenes großflächiges leeres Gebäude an. Das, meine Lieben Leute, nennt sich Distanz. Und es fühlt sich grauenvoll an.

Dann bin ich geflohen. Aus meinem Bett, aus der Situation. Der perfekte Start in den Morgen.

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