Hellblauer Schal

Die Sonne scheint. Es sind herrliche 18°C draußen. Die Winterjacken werden weg gehangen und die kurzen Shirts und Röcke werden ausgepackt. Alle sind im Frühlingsfieber und begrüßen strahelnd luftig gekleidet die Natur. Der Blick wandert zu Christina. Die verschwindet förmlich unter einem dicken flauschigen hellblauen Schal.

Mir ist nicht kalt. Ich verberge Geheimnisse. Geheimnisse, von denen jeder schon weiß. Geheimnisse, die jeder diskutiert, bewertet und verbreitet. Ein Geheimnisse-Broadcast. Die Sensation Christina und der Bettwärmer. Irgendwie herrlich amüsant. Bereit für Gossip?

Auf der Arbeit. Wie Rebecca mich zu meinem Beziehungsstatus ausfragt oder Mirko tollpatschig versucht Informationen aus uns beiden heraus zu kitzeln. Oder wie Thinh ihm auf die Schulter klopft und ihm viel Glück wünscht, wenn er ihn zu mir hoch gehen sieht. Was der Tinder-Prinz damit meint ist klar. Dafür mag ich ihn. Thinh, locker und lustig, und vermulich Patient Zero im Meldungsbuch des Gesundheitsamt für übertragbare Krankheiten. Ein Lebemann, der sich immer im Mitarbeiterraum zum Schlafen legt. Dumm nur, dass meine WG in dem gleichen Stockwerk ist. Er hat sich witzhalber beschwert, dass er nicht schlafen konnte wegen uns. Lärmbelästigung, die Mirko auch verschlafen ihm ins Gesicht gepfeffert hat. Wir sollen es zukünftig wo anders tun. Naja, ich weiß eben, dass es mit dem minderjährigen Christina-Ersatz in dieser Hinsicht sehr schelcht läuft, Stichwort Lärmbelästigung. Und auch Lea verliert manchmal die Miene. Die Mädels haben eine klare Einstellung zu Bettwärmer, ihrem Kollegen und Freund, wenn sie nicht wissen, dass er in hörweite ist. Eine Diskussion hat er mitgehört. Es sind Sätze gefallen wie: Er nutzt sie nur aus. Er ist schlecht für sie. Das was er da tut muss aufhören. Und Lea sagt ihm sogar direkt ins Gesicht, dass sie das was er da macht nicht gut findet und er das lassen soll. Witzig, witzig.

Nicht das einer von uns um eine Rezension gebeten hat. Vorallem eine Bewertung und Meinung zu was? Niemand von ihnen weiß doch überhaupt genau was das was ist. Wir wissen das ja selbst nicht mal. Eins weiß ich jedenfalls mit Sicherheit. Das ominöse was beleibt geheim.

Jetzt sitze ich da mit meinem blauen Schal der mir bis zu den Ohren reicht. Halte das was geheim, und die ebenso blauen und hitzigen Blessuren davon. Versteckt vor den gierigen Neugierigen und wertenden Blicken. Ein blaues Verschwiegenheitsabkommen zur Außenwelt.

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