Momente


Es packt mich in letzter Zeit öfters. Dieses Gefühl was zu haben. Etwas hauchzartes und fragiles, dass sich nur scheu nur für ein paar Minuten am Tag zeigt.

Es ist klar formuliert. Da ist nichts. Noch klarer ist die Aussage, da wird nie was sein. Da sind sich beide einig. Beide gibt es ja sowieso nicht, kein wir, kein uns, keine Exklusivität. Zwei getrennte Persönlichkeiten, Er und Sie, ohne Bezug zueinander. Er hat dieses besondere Mädchen im Auge und Sie hat Dates mit anderen. Aber dann sind da die kleinen Momente. Augenblicke die man nur entdeckt wenn man richtig hin schaut und Fragezeichen hinterlassen.

Das ist das kurze gute Gefühl, wenn man das viel zu teuere Deodorant wahrnimmt und man lächeln muss. Der samtige Nachhall wenn man dann geküsst wird. Kein flüchtiger Kuss. Ein echter, der die tausend Gedanken in deinem Kopf verstummen lässt. Für einen Bruchteil einer Sekunde so ehrlich, das ich ihn abbreche, weil mir die untrügsamen Botschaften viel zu nahe dran sind.

Oder der flüchtige Gesichtsausdruck wenn eine Tinder-Nachricht mein Display hell erleuchten lässt. Seine Mimik, die nur kurz wahrnehmbar ist. Kurzes unbewusstes argwöhnisches Zusammenziehen beider Augenbrauen und das darauf folgende Hadern mit sich selbst gefolgt von Eigentadel zur Entspannung. Ein winziger Teil von mir überlegt, Tinder einfach zu löschen. Und der Gedanke daran, dass das, allen Umständen zu trotz, etwas Exklusives und Wichtiges werden könnte gefällt mir und zur gleichen Zeit ermahne ich mich selbst. Wieder so ein Moment. Und ich möchte die Sache deshalb nur noch viel mehr ordentlich an die Wand fahren.

Und die immer kleiner werdende Wichtigkeit von Kathrin. Seiner angehimmelten Traumfrau. Ich bin ihr nicht mal in irgendeiner Weise ähnlich. Und doch lässt er sie warten. Für einen Augenblick fühlt sich das befremdlich und gut an, aber stattdessen scheuche ich ihn zur Tür in die Arme von Kathrin. Aber er redet weiter mit mir über Gott und die Welt und über seine privaten Bausteine im Leben. Er ist kein offener Mensch, und ist jedesmal verwirrt über die Tatsache, dass er wieder mit mir über solche Dinge reden kann. Und ich weiß nicht wieso und wie ich durch diesen Panzer gekommen bin. Das war nie meine Absicht.

Er ist so verschlossen in seiner Art, dass er niemanden anfasst, geschweige denn angefasst werden will. Und dann liegt er da, Kopf auf meinem Bauch, den Arm um mich geschlungen, während ich mit dem Finger die Ränder seiner Tattoowierungen nachzeichne. Wieder so ein Moment. Und er schläft ein. Und ich drauf auch.

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