Masken

Niemand kennt dich wirklich, das ist hart aber die Wahrheit. Jeder kennt nur den Teil den wir zeigen. Wir tragen alle Masken.

Vor dem Boss sitzt eine ganz andere Version deiner Selbst als vor deiner besten Freundin. Dein Boss kennt dich als harter Brocken während deine Freundin dich als witziges Mädel gespeichert hat. Dein Arzt kenn dich als weinerliches Wrack und deine Mutter sieht dich als totale Enttäuschung. Bei deinen Kollegen kannst du total untergehen wohingegen du in der Nachbarschaft auffällst wie ein bunter Vogel.

Für jeden sehen wir anders aus. Tragen die Maske eiskalt oder fürsorglich, witzig oder humorlos, authentisch oder charakterlos, loyal oder egoistisch, traurig oder optimistisch, empfindlich oder herzlos, liebenswert oder …

Wir geben auch unsere ehrliche Persönlichkeit auch viel zu selten Preis. Aus Angst, aus Zeitgründen oder vielleicht auch einfach aus Desinteresse und weil wir Privat von öffentlich und beruflich differenziern. Ich bin privat beispielsweise wesentlich introvertierter als man mir jemals zutrauen würde. Auf der Arbeit bin ich die Definition von Kommunikation und Stresskompensation. Privat sind das meine Fächer in denen ich immer Nachsitzen muss.

So auch gestern. Von jetzt auch gleich hat man meine Privatsphäre, in der ich wirklich ich sein kann, in Fetzten gerissen. Und anstatt einfach zu sagen „Nein, natürlich ist das nicht in Ordnung. Deine Klette kann nicht einfach durch die Tür brechen und sich an meinem Tisch breitbeinig hinsetzten und anfangen Abend und essen“ saß ich da und sah dem Spektakel zu. Ich habe fast automatisch die Höflichkeitsmaske aufgesetzt. Es war in Ordnung das man mir mit Topf, Teller, eigener Musik und eindimensionaler Gesprächsführung, die mich ausschloss, die Luft zum atmen geraubt hat. Ich war in meinem eigenen Zuhause, in das ich nur ausgewählte Menschen lasse, fremd und zu viel. Ein grauenhaftes Gefühl. Und die Maske ließ ich auf und distanzierte mich von allem.

Es klingt komisch aber eine Privatsphäre in der nur ich Zutritt habe, ist elementar für mich. Das warme einladende Gefühl von Wohlfühlen und von Sicherheit in diesem kleinen Fleckchen. Hier muss ich keine Maske tragen. Und es war weg. Enteignete entfremdetet Lebensfläche.

Die Sache mit den Masken ist die, sie verschwinden nicht so schnell. Und ich blieb hinter meiner „Alles ist gut-Strahelmann“-Maske. Und auf die Frage ob alles gut ist, habe ich gelogen was das Zeug hält. Stundenlang konnte ich nicht zugeben was Sache war. Ich habe mich versteckt, hinter meinen ach so sicheren Maske. Warum? Masken beschützen uns verletzlich und angreifbar zu sein. Man schützt sich vor der eigenen Verwundbarkeit und der Möglichkeit, das sich die Verletzung vergrößern könnte, wenn sie offengelegt werden würde. Angst vor dem berühmten mit dem Finger in der Wunde kratzen. Oder davor, dass man ein negatives Bild mit seiner Empfindung aufbaut. Auch davor, das man dadurch selbst in ein anderes, schlechtes Licht gestellt werden könnte. Vor Abwendung und Verständnislosigkeit.

Angst, einfach Angst. Eine scheußliche menschliche Eigenschaft die viel kaputt macht.

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