Familienbande – Nicht Lesenswerter Kopfinhalt

„Spätestens in vier Monaten bist du wieder zu Hause weil du nichts auf die Reihe bekommst.“

Ein Satz der Mut macht. Ein Satz, der Stolz und Wohlwollen ausdrückt. Ein Satz, der viel zu oft fällt, wenn ich mit meinen Erzeugern rede. Mir fallen dann spontan wieder mindestens zehn Gründe ein, wieso ich für mein Studium dreihundert Kilometer in Richtung Mirvölligegal gezogen bin.

Nein, keine Panik. Ich bin einundzwanzig und stehe über diesen Dingen. Habe ich schon mit süßen sechszehn. Das wird kein peinlicher Eltern-Verriss. Die Dame und der Herr sind so. Manche Menschen sind so.

Soll ich die Top Drei an Beispielen aufzählen die das belegen? Bitte gerne, ich bin heute in Coffe and Contemplation Laune.

Christina holt Bronze von Rheinalnd-Pfalz in ihrem Sport, kommt nachhause und hält Mamabär die Medaille vor die Nase. Schulterzucken. Wir erwähnen mal nicht, dass keiner der Elternteile bei dem Wettkampf anwesend war. Ich war als einzige Teilnehmerin wieder im Soloflug unterwegs. Ich war übrigens auch auf der deutschen Meisterschaft, die Tage dauerte, ich habe mich ja mit der Drittplatzierung für die Landes-Championchip qualifiziert. Ebenfalls im Waisenkindmodus absolviert. Sie sind eben so.

Christina bringt das Zeugnis der siebten/achten Klasse nachhause. Grinsen im Gesicht. Klassenbeste. Reaktion der Eltern: „Ist eben kein 1,0 Durchschnitt“. War es auch nicht, den hatte niemand. Recht haben sie ja. Kein Grinsen mehr im Gesicht. Sie sind eben so.

Christina sitzt wie jeden nachmittag in der Küche auf dem kleinen weißen Hocker und erzählt von ihrem spekatkulären Leben im Teenageralltag. Passieren ja die weltbewegensten Dinge. Gerüchteküche, Sportverletzungen, Beziehungsdramen, blöde unfaire Lehrer, Zickenkriege und weiß der Geier was sonst. Ich hätte nicht fragen sollen ob sie mich akkustisch versteht, durch den Lärm der Abzugshaube. Die Antwort kam promt: „Nein. Komm zum Punkt. Mich interessiert das alles sowieso nie.“ Direkt ist die Frau, das muss man ihr lassen. Christina redete fortan nie wieder mit ihrem biologischen Stammbaum über Privates. So sind sie eben.

Da sind sich beide gleich. Kühlschränke in zwischenmenschlicher Hinsicht. Ich denke nicht das sie dafür etwas können. Manche sind emotional, liebevoll und empathisch und manche können mit den Begriffen nichts anfangen. Herausgefunden habe ich das auf direkten Wege. Frage niemals meine Eltern ob sie dich überhaupt lieb haben. Meine haben mich als Antwort darauf ausgelacht. Naja, aus Fehlern lernt man. Wer denen erlaubt hat Kinder zu bekommen, ich bin übrigens ein geplantes und gewolltes Kind gewesen, verstehe ich dennoch nicht so richtig. Aber so ist das nun mal.

Umgezogen bin ich auch auf eigene Faust. Eigenfinanzierung und Eigenorganisation. Auf, auf – ins Blaue. Unterstützung, Fehlanzeige. Und wenn es mal brenzlig wird weiß ich auch, wem ich nichts davon berichten darf oder auf Hilfe hoffen kann. Gemeint sind meine Erzeuger.

Dann ist es natürlich Schwachsinn meine Eltern zu fragen, was ich machen soll. Habe ich dummerweise dann doch und total vergessen, dass meine Erzeuger nicht die Norm sind. Mein Mietvertrag fesselt mich an die WG, in der ich nicht weiter wohnen kann ohne mir geistige Schäden einzubrennen. Ist ein anderes Thema. Fakt ist, ich habe den Mietvertrag für die neue Wohnung in der Hand. Finanziell kann ich momentan keine zwei Wohnorte wuppen. Die Alternative, hier bleiben und zu Jack Torrance mutieren, ist keine Alternative. Anstatt zu helfen, und eine der Wohnmöglichkeiten zu finanzieren, wird vorgeschlagen die Ausbildungstelle mit samt Wohnung zu kündigen oder ich soll mit dem klar kommen was ich habe. Sagten zwei Menschen mit drei Häusern, teuren Urlaubsreisen, dicken Autos und noch dickeren Rücklagen auf der Bank. Die Firma dankt, kein Wortspiel in unserer Familie. Wir sind sehr gut aufgestellt. Mit wir beziehe ich nicht mich ein. Man gönnt es mir nicht, wie auch immer.

Naja egal wie, ich liebe meine Eltern. Schrullige Menschen die zu keinem Menschen auf dem herrlichen blauen Planeten jemals Wohlgesonnen waren. So sind sie eben.

Auf eine teils masochistische Art und Weise freue ich mich schon ein kleines bisschen auf das Chaos das sich wieder anbahnt. Christina im Vollzeitmodus. Vollzeit-Ausbildung, Vollzeit-Studium, Vollzeit-B-Wort; vor allem in der Horizontalen, und zukünftig Nachtschichtarbeiterin um die Miete zu bezahlen. Leben am Limit. So ist sie eben.


7 Kommentare zu „Familienbande – Nicht Lesenswerter Kopfinhalt

      1. Ich weiß seid kurzem von meinen Vorgängern. Ein ganzes Dutzend. Alle die selben Probleme und alle die gleichen Ergebnisse nach Anwalt-Einsatz. Aber trotzdem furchtbar lieb von dir 😊

        Gefällt 1 Person

      2. Mhh … Also mit System.
        Dennoch solltest du vielleicht Ausschau nach einem anderen Job halten. Das andere, von dir geplante Vorhaben scheint doch sehr zweifelhaft zu sein. Gerade was die Gesundheit angeht 🤔😉

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s