Vielen Dank für die Blumen, … ♪

Vor mir stehen gelbe Rosen. Ich habe noch nie schöne Blumen bekommen. Nicht von meinen Beziehungsmenschen. Seit Tagen starre ich diese wirklich gelungene Überraschung an. Seit wann bekomme ich denn Blumen. Und seit wann habe ich eigentlich einen so merkwürdig liebenswerten Partner. Und vorallem, wie zur Hölle bin ich nur hier her gekommen. In eine neue, private, kleine Wohnung die ich nun mit meinem Partner beziehe und der mir „einfach so“ Rosen mitbringt.

Nun stehen sie in voller Pracht auf dem neuen Esstisch. (Seit wann habe ich denn einen Esstisch?) Naja, diese netten Blümchen representieren sehr unschuldig wie schnell sich Dinge ändern können, ohne das man es mitbekommt. Zum positiven, zum negativen – blitzschnell. Alleine die letzten Monate haben es verdammt in sich gehabt.

Trennung danach Terror, der sich sporadisch immer wieder ankündigt. Darauf der Welpe mit seiner anhänglichen Art, der bis heute immer noch nicht mit mir abschließen kann und möchte. Derweilen nette One-Two-Three-Night-Stand Nümmerchen mit einem Kollegen. Im Anschluss Wohnungssuche mit dem Nümmerchen, welches sich mittlerweile als richtige Beziehung entpuppt hat. Währenddessen die geiernden Informationshascher an Kollegen und Verräter der eigenen Privatsphäre und Prinzipien. Der anschließende daraus resultierende Kampf mit meiner Chefin, und die Null-Tolleranz von Menschlichkeit am Arbeitsplatz. Die zweite Krankmeldung die ich heute eingereicht habe nach einer lustigen Nacht mit Fieber, Schwindel, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Magenkrämpfe. Immer noch Gastritis und immer noch der selbe Grund. Die WG, die ich immer noch bezahlen muss, obwohl ich da nicht mehr wohne dank dem Hauptgrund: meiner geldgierigen Chefin.

Nach dem aktuellen Stand heute habe ich mich damit abgefunden, das mir vermutlich eine Kündigung angeboten wird. Meine Chefin brilliert nicht wirklich damit, ihre Verachtung mir gegenüber zu verheimlichen.

„Bist du schön im Urlaub krank geworden oder liegt es an dem Untermieter der nicht mit uns abgesprochen war.“

Meine Chefin. Die Antwort auf meine erste Krankmeldung Wochen zuvor.

Das ich bis zu vier Wochen einen Besucher da behalten darf, und das ich überhaupt nie Urlaub hatte, lassen wir mal außen vor. Genauso wie der echt unprofessionelle Kommentar.

Nun die Reaktion auf meine zweite Krankmeldung hat mich relativ ruckartig aus meinem Dornrösschenschlaf, dass alles wieder gut wird, gerissen: ein verpasster Anruf und eine unverschämte WhatsApp Nachricht, ich hätte mich unerlaubt von meinem Arbeitsplatz entfernt und wäre ohne Rücksprache nicht wieder erschienen.

Absoluter Schwachsinn. Ich habe mich zur Arbeit geschleppt, mich um Vertretung gekümmert, obwohl das nicht im geringsten mein Problem ist sondern ein Problem das von der Geschäftleitung gelöst werden sollte, und habe mich dann sauber beim Diensthöchsten abgemeldet.

Darauf kam die Anweisung, nach dem Arztbesuch ins Büro für „ein Gespräch“ zu kommen. Ich tippe stark auf ein Kündigungsangebot, da man mir aufgrund meines Ausbildungsvertrags und meiner sauberen Weste nicht kündigen kann, und ich ebenfalls nicht, ohne horrende Studiengebühren an den Betrieb zahlen zu müssen. Bestätigen wollte sie mir das nicht.

Dem irren Gedanken meiner wöchentlich durch die Welt urlaubenden Chefin, dass ich mir ihre Monologe über Arbeitsmoral und Drohungen anhöre, während es mir genauso schlecht geht wie einem seekranken Kreuzfahrschiff-Urlauber, habe ich dann leider nicht mehr Folge leisten können. Darauf bekam ich ein Gesprächstermin zugewiesen. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich viel witziger gewesen, wenn ich das Chaos an Büro, dass die beiden ihr Eigen nennen, kontaminiert hätte, anstatt dem Toilettensitz Gesellschaft zu leisten. Leider fehlt mir da der Gewisse Flair an Obszönität.

Nun denn, mit dem Anwalt im Hinterkopf und Lesezeichen in der Rubrik „Ausbildungsplatz duales Studium Gesundheitsmanagement“ in der Hinterhand, atme ich hin und wieder mal durch. Vor allem wenn die gelben Rosen wieder in meinem Sichtfeld auftauchen, die frech dem Verwelken trotzen. Dann muss ich lächeln, auch wenn mein Gesundheitsstand eher den umgedrehten Smiley von mir verlangt.

Trotzige kleine Blümchen.

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