Die Sitzung wird vertagt!

Dieser Wortlaut steht dick umrandet auf meinem Notitzblock. Eigentlich der gelangweilte Versuch ein Gesprächsprotokoll zu führen, während man eigentlich nur von dem Blick des Chefs ausgehöhlt wird. Uninteressant.

Ich sitze also zum wiederholten mal auf den billigen Bistrostühlen im billigen Bistro meiner billigen Firma, in der ich angestellt bin. Oder an die ich vertraglich gefesselt bin, wie ich es gerne betone. Freiwillig arbeite ich hier schon lange nicht mehr. Das Bistro ist ein verglaster Raum mit zwei Türen, die immer offen stehen, und befindet sich mitten im Unternehmen. Wenn die Glas-Türen ins Schloss fallen beginnt die Vorführung. Mann ist gefangen im gläsernen Käfig und wird öffentlich zur Schau gestellt, vor Mitarbeiter und Mitglieder. Wie im Zoo wird man als gefärdete Art von den vorbeilaufenden Besucher begutachtet.

Das Ausweichmanöver, um den neugierigen Blicken der Außenstehenden und dem uneinsichtigen Blick meines Chefs auszuweichen, resultiert in wunderschönen kreisrunde Punkte, die nun die Spiegelstriche ersetzen. Wirklich viel notiere ich mir zu dem Gespräch nicht. Wie immer das Gleiche. Das unkündbare Mietverhältnis. Meine Tante redet für mich. Witzig dabei ist, das mein Chef bei jeder Antwort mich dabei anschaut. „Manieren – keine“ notiere ich mir.

Meine Tante versucht es im Guten und appeliert an den Rest Mitgefühl und Menschlichkeit meines Chefs, welches sie glaubt erkennen zu können. Ich kritzel währenddessen die gleichen Begriffe auf meinem Block notiere „Koppelvertrag“ und „illegale Vermietung Wohnfläche“. Dann haben die Kohlensäure-Bläschen in meinem Glas meine volle Aufmerksamkeit. Die hübschen Perlen sind genauso kreisrund wie meine Spiegelstriche.

Fazit des Gesprächs: es wurde keine Vereinbarung getroffen. Ich werde nicht aus meinem Mietvertrag entlassen, da damit die Firma finanziert wird (und die montlichen Urlaube auf Bali, Dubai, Marokko, Australien…). Eine entgültige Lösung wird nächste Woche gefunden. Eine gewisse Pro-Urlaub Entscheidung von meinem ach so gutherzigen Chef also.

Dann steht er auf, und stellt fest, dass das Gespräch doch gut war. Meine Tante antwortet, was meinem Chef missfällt. Er habe mich gemeint. Meine Antwort beinhaltete irgendwas hochprofessionelles wie „war scheiße“. Und ehrlich, darüber war er verblüfft. Lustig. Dabei stehe ich nur als Variable für meine ganzen Vorgänger die sich aus dem Betrieb geklagt haben und die ebenso aus dieser grotesken WG ziehen wollten.

Das Mietverhältnis sei mein Problem und ist nicht kündbar.

Heute, 24 Stunden später, kämpfe ich gegen mein Bedürfnis an mit Glitzstiften und Marienkäfersticker ein Plakat anzufertigen. So ein schönes in regenbogenfarben. Titel: Rechtsnorm in Deutschland. Koppelverträge sind unzulässig. Nötigung ist strafbar. Eine Wohnfläche auf nicht legalem Wege zu vermieten ist auch nicht so gerne gesehen.

Das Mietverhältnis wird nächste Woche aufgehoben. Diese ganze Lapalie habe ich jetzt drei Monate mitgemacht. Mir reicht der Kindergarten. Ich bin gerade mal einundzwanzig und sollte mich von einer Studentenfeier zur nächsten schleppen. Anstatt nach überteuerten Kosmetiker und Klamotten zu googlen sieht mein Suchverlauf aus als hätte sich Betty Anne Waters an meinem Computer verirrt.

Naja, ist ja für mich nichts Neues. Ruhig Wasser gibt es bei mir irgendwie selten.

2 Kommentare zu „Die Sitzung wird vertagt!

  1. Man hat mir den Mietvertrag als einfache Wohnoption angeboten. Dass der an das Studium gebunden ist hat man mir jetzt erst mal erklärt. Witzig sind die ja alle male.
    Wie jeder weiß ist das nicht erlaubt.

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